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  1. #1

    Die dunkle Seite in mir.

    Viele von uns bemühen sich ja redlich das Richtige zu tun.
    Wir lassen an der Kasse Leute mit wenig Sachen vor, spenden zu Weihnachten ein paar Euro oder reden anderen Menschen gut zu und loben sie.
    All das tun wir, aus Selbstverständnis oder weil wir gute Menschen sind? Oder doch nur um unser Gewissen zu beruhigen, weil wir selbst verliebt sind, um sagen zu können „Mein Gott bin ich ein Held!“?
    Eine eindeutige Antwort gibt es wohl nicht. Zu sehr hängt es davon ab was für ein Verhältnis man zu sich und anderen Menschen hat, sehe ich das Gute oder das Schlechte?

    Warum jetzt die Überschrift „Die dunkle Seite in mir.“?
    Ich möchte euch und mir hier, in der Anonymität des Internets, die Möglichkeit geben einmal darüber nachzudenken, zu reden „Was für ein Mensch bin ich eigentlich?“.
    Hört sich jetzt stark nach einenm schmierigen Sozial Pädagogen im 17 Semester an oder?^^

    Ich erzähl jetzt mal eine Geschichte die sich vorletztes Wochenende zugetragen hat und die eigentlich der Anstoß zu diesem Thread war.

    Ich komme gerade von einer Party und möchte nach hause gehen, als ich plötzlich Blaulicht bemerke. 30m weiter stand unsere Feuerwehr im Einsatz, Wohnungsbrand im 1. Stock.
    (Hier erwähne ich mal das ich auch Mitglied der FF bin.)
    Ich also hin zum ersten Kameraden und frage was los sei.
    Er hat mir also erzählt das im ersten Stock eine Wohnung brannte.
    Daraufhin fragte ich ob noch jemand drin war.
    Eine 73jahrige Frau die mit schwerer Rauchvergiftung ins Krankenhaus gebracht wurde.
    Die Frage ob sie noch Angehörige hat verneinte er.

    Also man könnte es jetzt so auslegen das ich mir sorgen um die Frau machte oder einfach nur neugierig bin.
    Aber worum ging es mir wirklich?
    Warum heißt der Thread „Die dunkle Seite in mir.“ Und warum war ich am nächsten Tag so schockiert über mich selbst?

    Ich spiele nämlich schon länger mit dem Gedanken mir eine Eigentumswohnung zulegen und hierbei handelte es sich um einen chicen Neubau mit Apartmentwohnungen in bester Lage. Das solche Wohnungen knapp sind brauche ich ja niemanden sagen. Der große Vorteil ist aber das die anderen Parteien alles junge Leute sind und mal ehrlich? Wie sehr würde die Tatsache das dort unter Umständen eine Rentnerin ums Leben gekommen ist wohl auf den Preis drücken.
    Mir würde das nichts ausmachen.

    Wenn ich das jetzt selber so lese… man bin ich fies.

  2. #2
    Den meisten Menschen geht es wirklich nur um sich selber. Sie tun es instinktiv, diese vermeintlich guten Taten, jedoch häufig nur aus Eigennütz. Dies mag die unterschiedlichsten Gründe haben... Menschen, von denen man hört, dass sie gutes tun sind beliebt! Ich will Mutti Theresa jetzt nicht vorwerfen sie dachte nur daran von den anderen gemocht zu werden, dass darf man nicht missverstehen, aber gute Taten haben häufig Gründe die nur auf den Egoismus zurückzuführen sind. So zumindestens die Evolutionstheoretiker über die Entstehung sogenannter Menschlichkeit. Da ich Leute wie Richard Dawkins sowieso für fragwürdig halte stimme ich mit dieser Theorie nicht ganz überein. Die tatsachen sind offensichtlich. XYZ ist nett zu seinen Kollegen, damit der Cheff einen positiven Eindruck von ihm bekommt, ABC spendet Geld um bei seiner Freundin angeben zu können., solche Dinge eben.

    Man kann das ganze auch universeller sehen und sagen, den Menschen geht es nur um die Erhaltung der Rasse. Deswegen helfen sie sich gegenseitig anstatt sich die Köpfe einzuschlagen (was jedoch anscheinend unvermeintlich ist) damit die Menschehit nicht ausstirbt.

    Wenn ich was gutes tue, dann merke ich es meistens gar nicht. Für mich ist es selbstverständlich dem Bettler ein paar Münzen zu geben, wann immer ich an einem vorbeigehe. Bin ich ein guter Mensch, oder bloß von meinen Instinkten geleitet?
    Viele Menschen tun das nicht. Sind diese Menschen schlecht? Sind sie Fehler, Mangelware der Evolution?
    Oder sind es doch eher diese, die anderen helfen, anstatt für sich selbst etwas zu tun?

    Das sind alles schwere Fragen und ich denke, dass eine eindeutige Antwort darauf nicht möglich ist. In deinem Fall, Deadpool war es eine Verknüpfung zweier Geschehnisse einmal deinem Wunsch so eine Wohnung zu bekommen und einmal, dass so eine Wohnung vllt frei geworden wäre. Da sind es logische Schlüß und Gedanken, die dir gekommen sind. Vllt wird dir diese Wohnung auch irgendwann einmal unabdinglich und sehr wichtig sein für dein weiteres Leben. Aber was (gedanklich) dem im Weg steht ist der Tod eines anderen Menschen. Dieser Mensch jedoch hat schon sein ganzes leben schon hinter sich. Ist der Tod diesem Menschen so schlimm?

    Ich denke mal solche Frage gehören in die Kategorie "Moralische Zwickmühle" wie auch die Frage, ob man ein Leben für das von vielen eintauschen darf. Man kann lange darüber philosphieren, zu vielen Schlüßen kommen, aber letztendlich gibt es da keinen befriedigenden.

    Ich finde diese Geschichte echt schwierig.

  3. #3
    Das hat doch nichts damit zu tun, dass du fies bist. Du kannst ja nichts dafür, wenn dort jemand gestorben ist. Und daraus seinen eigenen Vorteil im nachhinein ziehen, ist doch nur menschlich. Hattest wie es aussieht ja keine engere Bindung zu der Rentnerin, wenn man alles bedauert, was so auf der Welt passiert, wird man ganz schnell depressiv..
    Viel schlimmer finde ich Leute, die jedesmal wenn ein Promi stirbt, fast in Tränen ausbrechen und sich ausheulen, wie schrecklich das doch ist, aber auf der anderen Seite keinen weiteren Gedanken daran verschwenden, dass tagtäglich unzählige Kinder in Afrika verhungern.. mal als Beispiel.
    Der Mensch bedauert leider immer besonders die Dinge, die ihm direkt vorgesetzt werden.. sei es nun durch die Medien oder von anderer Seite. Andererseits wird das wohl ein Schutzmechanismus gegen die ganze Ungerechtigkeit in unserer Welt sein, so gesehen also vielleicht garnicht so schlecht, wer weiß..
    Versuche selbst immer so "gut" zu anderen Menschen zu sein, wie ich es mir im Gegenzug auch wünschen würde. Dabei wird auch nicht darauf geachtet, ob ich weiß, dass die Person mir in der selben Lage nicht helfen würde. Helfen tut man im Endeffekt immer für sich selbst und sein eigenes Gewissen und so sollte das auch sein. Erleichtert man dadurch sein eigenes Gewissen, ist jemand anderem geholfen und auch einem selbst. Wir sind nunmal alle Egoisten und niemand tut etwas nur aus Nächstenliebe (und wenn der eigene Vorteil nur darin besteht, dass man sich besser fühlt danach).

    Edit: Vorposter nicht mehr gelesen, sehr schön ausgedrückt =)!

  4. #4
    @Kafka_Tamura: Das ist eine schwierige Disskusion. Es gibt ein Sprichwort das besagt, dsas an einem vergifteten Baum keine gesunden Früchte wachsen können. Wenn einer etwas aus einem falschen Grund etwas gutes tut, z.B. aus Publicity Gründen, so mag das Endprodukt an sich gut sein, aber die Tat an sich ist es nicht.

  5. #5
    Also in der speziellen Geschichte seh ich's wie Loki. Ob in der Wohnung XY in die du evtl. einziehst jemand bei nem Brand gestorben ist, ist doch im Prinzip völlig irrelevant. Mir jedenfalls wär's Wumpe. Da würd ich mir eher Gedanken darüber machen, ob ich ne Wohnung mit Brandschaden haben möchte... Denn wie gesagt, was dafür kann man eh nicht. Was will man also tun? Sich sagen "Ich nehm die Wohnung aus Prinzip nicht, weil ich dann den Tod eines Menschen ausnutzen würde"? Wenn man mit soetwas anfängt, kann man bald gar nichts mehr machen.
    Just my 2 cents.

    Edit:
    @ Iki-iki: Widersprichst du dann nicht dem Sprichwort, das du zu unterstreichen versuchtest? Denn es besagt, dass der Zweck (das Produkt) eines "schlechten Mittels" automatisch als verdorben anzusehen ist. Sozusagen ein Gegenstück zu "der Zweck heiligt die Mittel".

  6. #6
    Ob es eine "dunkle Seite" in mir gibt? Ich denke schon, nur ist diese bisweilen fast nie zum Vorschein gekommen.

    Das beste Beispiel dafür dass es sie bei mir gibt, liegt jetzt etwas mehr als ein Jahr zurück.
    Damals fuhr ich mit dem Motorrad von der Berufsschule nach Hause. Ein paar hundert Meter vor mir einer meiner Klassenkameraden (ebenfalls mit dem Motorrad), welchen ich jetzt nicht gerade als guten Freund bezeichnen würde, der aber immerhin seit drei Jahren mit mir in derselben Klasse war.
    Etwa einen Kilometer nach der Stadtgrenze kollidierte er frontal mit einem Kleintransporter, der in einer Kurve zum überholen angesetzt und ihn nicht gesehen hatte. Ich war zu dem Zeitpunkt etwa 300m weiter hinten in der Kolonne, bemerkte den Unfall erst gar nicht und ärgerte mich über den plötzlich auftretenden Stau und die Typen, die daran Schuld hatten. (War in Eile)
    Als der Stau sich nicht auflöste beschloss ich, über die angrenzende Wiese an der Kolonne vorbeizufahren, da es andere Autofaherer ebenfalls bereits getan hatten.
    Dass es vor mir einen Unfall gegeben hatte, war mir zu diesem Zeitpunkt bereits bewusst. Ich fuhr also an der Kolonne vorbei und passierte die Unfallstelle, wo sich bereits eine grosse Traube aus Menschen um meinen bewusstlosen, am Boden liegenden Klassenkameraden kümmerte. Ich sah kurz den Ort des Geschehens und die Trümmerteile überall, überlegte noch ob es vielleicht er gewesen sein könnte, der da jetzt liegt, entschloss mich aber weiterzufahren und das Gesehene möglichst schnell zu vergessen.
    Mein Klassenkamerad ist dann noch am selben Abend im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen.

    Als ich am nächsten Tag während der Arbeit über das Radio und von Arbeitskollegen erfuhr, dass er es gewesen war, der da gestorben ist, war ich schockiert.
    Manchmal denke ich darüber nach, ob es nicht vielleicht anders gekommen wäre, wenn ich angehalten und Hilfe geleistet hätte. Zumal ich ihn hätte identifizieren können. (Ich erwähnte bis jetzt auch noch nie in Anwesenheit meiner andern Klassenkameraden, dass ich den Unfall indirekt miterlebt habe)

    Speziell dieses Ereigniss aber auch andere Unfälle die ich bis heute im Strassenverkehr sah, lassen mich zu dem Entschluss kommen, das diese "dunkle Seite" in mir existiert, jedoch nur in Ausnahmesituationen in Aktion tritt.
    Wieso fährt der Mensch an einer Unfallstelle vorbei, starrt gierig auf die Beteiligten und kümmert sich nicht weiter darum, ist aber schockiert und voller Wehmut sobald er erfährt, dass eine ihm bekannte Person in den Unfall verwickelt war?
    Allein mein Gewissen kann nicht schuld an solchen Aktionen sein, denn ginge es nach dem gesundem Verstand, würde man anhalten und helfen wollen und nicht getrieben von persönlichen Interessen daran vorbeifahren oder etwa nicht?

  7. #7
    Die Frau ist nicht gestorben und die Wohnung ist eigentlich relativ unbeschadet davon gekommen. Es war ein Elektrobrand, also mehr ein Rauchschaden ohne große Hitzeentwicklung. Den bekommt man mit der Zeit und etwas Achselschweiß eigentlich gut in den Griff.

    Ich kann ja mal noch was erzählen wenn ihr nicht so gerne über euch redet, bzw alles verallgemeinert.

    Vor einigen Jahren habe ich einer Freundin etwas am Computer erklärt, ich weiß schon gar nicht mehr was. Auf jeden Fall hatte ich ihr weisgemacht das die Feststelltaste auf englisch nicht Capslock sondern Cockslap heißt.
    Wir sitzen also Jahre später bei zusammen als der Freund besagten Mädchens grinsend rein kommt und meinte, “Du solltest lieber in Deckung gehen!“ In dem Moment kam seine Freundin mit hochrotem Kopf rein und fing an auf mich einzuschlagen(keine Angst nur Mädchen haue). Ich habe nicht alles mitbekommen aber es hatte was mit einem Vortrag in der Uni und einem lachenden Hörsaal zu tun.
    Mittlerweile kann sie selber darüber lachen, nur ich darf darüber keine Witze machen dann gibt’s wieder böse Blicke.
    Ist schon komisch wie kleine Scherze und Sticheleien einen Jahre später noch einholen können.


    Edit
    @Backdraft

    Jetzt passt meine Story nicht mehr so ganz rein.
    Ich hab auch schon mehrere Unfälle mitbekommen oft steht man selbst als Zeuge unter Schock und realisiert das geschehene gar nicht richtig. Andere haben auch Angst etwas falsch zu machen. Dann gibt es noch den Gedanken das sich die anderen schon darum kümmern und man selbst nur im weg Stehen würde.
    Ich glaube nicht das die Geschichte anders ausgegangen wäre wenn du angehalten hättest, als Mottoradfahrer hat man bei so einem Unfall kaum eine Chance.
    Es nützt auch nichts wenn man der beste Motorradfahrer der Welt ist, sobald man übersehen wird ist man weg.

  8. #8
    OHO! eigentlich wollte ich wieder bösartigkeit über die welt verbreiten(trollen) aber das was Iki-iki geschrieben hat, klingt so gut da habe ich es mir anders überlegt.

    Allgemein kann ich aber sagen, solange man niemanden schadet, tut man nichts böses also ist man nicht böse. Was im grunde heisst, deine Taten machen dich erst böse nicht deine Gedanken.

    Dummerweise kommt man nicht durch die Welt ohne dabei jemanden zu schaden. Also muss man sich jedesmal entscheiden ob man um voran zu kommen oder etwas hinzukriegen, man eine böse Tat im Kauf nimmt oder Kompromise im Bezug auf die eigene Ziele eingeht. Also entweder schaden wir irgendjemand oder uns selbst.

    FAZIT: Wir sind alle böse

    Da aber Menschen so garnicht drauf stehen böse zu sein. Verleugnen wir und nicht nur das, wir verdrängen, ignorieren, beschönigen u.s.w. alles was der Welt und uns selbst betrifft hauptsache wir sind nicht die bösen, doch leider führt das nur dazu das sich das ganze tief in unseren Kopf eingräbt dort wo wir es zwar bewusst nicht mehr wahrnehmen können aber es trotzdem unsere Handlungen und Gedanken beeinflussen kann.

    Also was tun?

    tja da muss jeder sehen wie er damit klar kommt, wie viel böses ist man bereit selbst zu ertragen und wieviel böses ist man bereit der Welt zuzufügen, was will man bewusst wahrnehmen und was nicht.

    Ich für mein Teil, hab keine Lust auf innere Konflikte, also versuche ich immer meine Böse Taten weitesgehend im Auge zu behalten.

  9. #9
    Zitat Zitat von Smutje Beitrag anzeigen
    @ Iki-iki: Widersprichst du dann nicht dem Sprichwort, das du zu unterstreichen versuchtest?
    Ich habe nur die Problematik versucht anzusprechen, dass es einerseits so ist und andererseits nicht. Dessen war ich mir schon bewusst.
    Das was ich zu unterstreichen versuche ist mir selber nicht bewusst, da ich trotz allem versuche daran fest zu halten, dass der Mensch nicht von Natur aus böse ist, aber was mir in Gedanken nichtmal gelingen mag.

  10. #10
    Ich glaube noch an das gute im Menschen. Ich denke es gibt meine Nagisa da drausen!

    Ne mal im ernst, ich glaube wirklich das es sowas noch gibt wenn auch selten. Ich Persönliche denke von mir das ich ein sehr schlechte Mensch bin, was auch schon den ein oder anderen Abend mit einer Flasche Whiskey gefordert hat. Ich denk oft darüber nach was ich im Leben alles falsch gemacht habe, wie Dumm ich war und ob ich weiterhin so Dumm bleiben werde obwohl ich es nun besser Weis? Ich hasse es zu wissen das ich ein schlechter Mensch bin. Aber mehr wie zu versuchen das zu ändern bleibt mir nicht.

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